Mutter Theresa 2k12 – ein Marketing-Genie?


Internet könnte soooo lustig sein… – wenn es nicht so viele Idioten geben würde! Wobei ich im Moment aber gar nicht weiß, wer mehr in diese Kategorie einzuordnen ist – die Anbieter dubioser Angebote – oder die, die darauf reinfallen…

Ich will heute auch gar nicht soooo lange palavern, sondern ausnahmsweise gleich mal auf den Punkt kommen:

Unter PayRam.com (Nein, das verlinke ich nicht!) gibt es ein ganz tolles Angebot: Man meldet sich auf der Website dieser britischen Firma, die unter Office # 4, Block D, Upper Street, Down Hill, London, UK zu erreichen sein will, an und bekommt dafür schon mal 2 US-Dollar Anmeldebonus. Dollar? Klar – das geht. Aber ist das naheliegend? Ok, als Internetwährung… Aber weiter: Nun bekommt man einen Referral-Link und soll den über Facebook, Twitter,  Blogs, Foren, Chats usw. verbreiten.

So weit – so gut! Wenn ich aber lese, daß man für jeden Besuch bzw. Aufruf dieses Links 1 Dollar auf sein Konto bekommen soll, kann ich nur herzhaft lachen. Wer schaltet da Werbung? Mutter Theresa? Der Preis für Klicks ist bei sämtlichen Werbenetzwerken seit Jahren total im Keller - sofern Klicks überhaupt noch irgendwo vergütet werden. Und damals ging es um 3 Cent o.ä. Aber hier bekommt man 1 Dollar! Wow!

Eine Obergrenze des Verdiensts gibt es übrigens nicht – und Auszahlung ist immer am Monatsende schon ab 10,- Dollar über alle denkbaren Zahlungssysteme möglich. Das ist doch noch wower! Hypermegaultracyberendgeiles Super-Wow!

Hinzu kommt: Die Seite ist von allen möglichen “Trusted-Irgendwas” zertifiziert. Sie wurde zwar nur über http aufgerufen - aber auch ein fettes SSL-Logo schlägt einem entgegen. Schön! Alles Sicher! Und so seriös! Verlinkungen auf Zertifikate, IDs oder Accounts oder dergleichen hat man sich aber gespart.

Also bis jetzt: ALLES HAMMERGEIL! Ich maile alle Kumpel an und  werbe sie; jeder veröffentlicht seinen Link sonstwo – und wir klicken im Kreis eine Stunde am Tag auf den Link. Selbst mit IP-Wechsel schaffen wir dann jeder 100 Dollar pro Stunde… Wenn man allerdings Cookies löschen muß (???), dauert es etwas länger. Aber für 100 Dollar am Tag darf das ruhig in Arbeit ausarten… Wahnsinn – welche Farbe soll meine Yacht haben? Ich mache nämlich Überstunden und klicke mit meinem illegalen Facebook-Zweitaccount noch ein paar mal bei mir zusätzlich…

Ich denke schon, daß derartige Szenarien in manchen Köpfen durchgespielt werden, wenn man so was liest. Es gibt nur den berühmten Haken: Wer schon so doof ist und sich von dieser Mega-Vergütung blenden läßt, wird spätestens bei der vergeblich erhofften Ausszahlung richtig doof aus der Wäsche schauen. Denn lügen können die PayRammler ganz hervorragend:

Unten auf der Seite findet man folgendes:
Total members : 85,349  |  Total Paid : $34,000

1) Von diesen 85.349 Leuten haben doch bestimmt mindestens 50% schon ihren Link irgendwo gepostet – man meldet sich ja nicht nur zum Spaß an. Allerdings klingen über 40.000 Links (selbst wenn sie nofollow sind) nicht gerade so, als wenn sie zum PageRank 0 passen. Das ist irgendwie schon ein bißchen komisch…
2) Es wurden bisher exakt 34.000 Dollar verdient – äh – BEZAHLT! Und das passiert ja am Ende des Monats. Also muß das in 2 Tagen geschafft worden sein, denn lt. whois.com wurde die Domain am 29. August vergeben:

Domain Name: PAYRAM.COM
Registrar: ENOM, INC.
Whois Server: whois.enom.com
Referral URL: http://www.enom.com
Name Server: NS1.MUSK.ARVIXE.COM
Name Server: NS2.MUSK.ARVIXE.COM
Status: clientTransferProhibited
Updated Date: 12-sep-2012
Creation Date: 29-aug-2012
Expiration Date: 29-aug-2013

In zwei Tagen hat man also 34.000 Dollar geschafft – Reh speckt (ab und Hirsch nimmt zu – oder wie das heißt…). Da bleibt nur ein Schluß: Mutter Theresa lebt und ist ein Marketing-Genie – oder wir sind alle doof. Doch wozu das alles? So pusht man sein Ranking, wenn jeder Vollpfosten diese Fake-Seite verlinkt… Und bis die erbosten User die Links vielleicht in den Tiefen der Chroniken, Blogs, Foren usw. wieder gelöscht haben, ist die Domain längst verkauft… So – oder so ähnlich!

Fazit: Finger weg – das kann nur Müll sein!

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