IT College Putbus: Insolvenz!


Wie wir soeben erfahren haben, mußte das IT College Putbus Insolvenz anmelden. Grund dafür seien vor allem Altlasten, betont der Geschäftsführer Herr Wambach. Laut Webseite gehe der Geschäftsbetrieb aber vorerst weiter; wegen inhaltlicher Neuaufstellung und kundenorientierter Umstrukturierungen blicke man optimistisch in die Zukunft.

Na dann man tau. Bleibt nur zu hoffen, daß irgendwann neben den Lehrern der HBFS, dem Dozenten für die WE-Weiterbildung und den Dozenten für 1-2 andere Fachrichtungen auch qualifizierte Dozenten für die restlichen Bereiche in den heiligen Hallen des altehrwürdigen Pädagogiums zu Putbus gesichtet werden können. Falls dann auch noch jemand kompetent genug wäre, vernünftige Lehrpläne/Abläufe zu entwickeln, könnte das dann vielleicht auch wieder was werden. Vielleicht kommt dann sogar irgendwann der Tag, an dem man als Absolvent des IT Colleges nicht mehr von Abgängern anderer Bildungseinrichtungen belächelt wird… Was soll das heißen?

Ich verbrachte ja zwischen 2007 und 2012 eine ganze Zeit als “Schulkind” dort und durfte einige Erfahrungen sammeln. Diese dürfen durchaus als konstruktive Kritik aufgefaßt werden – so böse, wie die folgenden Beispiele klingen, sind sie nicht gemeint:

Beispiel 1 – Qualified PHP Web Programmer:
Weiterbildungsvoraussetzungen: Keine (HTML oder PHP oder JS oder MySQL wären zwar wünschenswert, werden aber nicht zwingend vorausgesetzt) . Und dann die geplante OCP-Zertifizierung nach 2 oder 3 Wochen lt. Plan? Witzig! Übrigens: HTML-Kenntnisse helfen einem dabei genauso viel wie keine Kenntnisse.

Fazit: Wer eine Weiterbildung so bewirbt, weiß nicht, was ein Oracle Certified Professional zu tun hat.  

Beispiel 2 – Qualified PHP Web Programmer:
Die Weiterbildungsbeschreibung mit der Zauberphrase… “Modulare Weiterbildung mit laufendem Einstieg” prangt so ziemlich überall – bei der Beschreibung des Webmasters genau wie beim QPW. Egal, wann mir einfällt, mich weiterbilden (lassen) zu wollen – ich steige in den Kurs ein und hänge verpaßte “Module” hinten an. Das heißt konkret: MySQL-Grundlagen verpaßt? Machts nichts – lernt man eben erst PHP-Grundlagen nebst PDO für PHP… Ähm – PHP auch verpaßt? Dann eben erst Projektwochen mit objektorientierter Programmierung unter PHP! Extrem sinnvoll!

Bei manchen Themen mag das ganz gut funktionieren. Web Business Management, Onlinerecht und Webdevelopment haben relativ wenig miteinander zu tun, wenn man jemanden mit Ahnung vom Onlinerecht zumindest seine Entwürfe kontrollieren läßt (AGB-akzeptieren-Button, Newsletter mit Double-Opt-In usw.). PHP zu lernen, ohne Ahnung von HTML zu haben, geht zwar noch – macht aber eher weniger Sinn, weil man mit reinem Textoutput keine Routine mit verschachtelten Hochkommata erwerben kann und nicht begreift, was htmlentities macht. Datenbankzugriffe unter PHP kriegt man aber nicht zustande, wenn man die Syntax des DBMS nicht beherrscht!

Fazit: Nicht nur stupide Dokumentvorlagen kopieren! Auch mal nachdenken, welche Inhalte vermittelt werden sollen!

Beispiel 3 – Linux-Systemberater:
Man soll hier Geld verdienen können, indem  man in Firmen dem oder den IT-Verantwortlichen nahelegt, auf teure Redmonder Winzigweich-Software zu verzichten und stattdessen alles mit Linux zu linuxen. Wenn der Admin in der zu beratenden Firma nicht gerade auch vom IT College kommt, könnte es durchaus passieren, daß man gefragt wird, wie das dann mit dem Active Directory sei und ob man eine solche Netzwerklösung auch mit LDAP bewerkstelligen könnte… In dem Fall muß man als “LSB made by ITC” wohl erst einmal mit den Achseln zucken. LDAP? Ist das so was wie NSDAP? Dieser ominöse Term wurde zumindest während der Weiterbildung NICHT EIN EINZIGES MAL ERWÄHNT !!!  Aber welche Unternehmen haben auch schon Server und Netzwerke… In MeckPomm haben große Firmen wahrscheinlich – wenn überhaupt – Einzelplatzrechner. Dafür reicht dann aber glücklicherweise die LPIC-1-Zertifizierung. Puh, Schwein gehabt!

Fazit: Mit dem erworbenen Know-How braucht man bei SIEMENS in Rostock nicht nachzufragen, ob man dem Unternehmen einen guten Rat zur Einsparung von Geldmitteln in der IT-Abteilung erteilen soll. Dem Inhaber des örtlichen Zeitungsladens kann man aber vielleicht ein Linux installieren, damit er in der Pause mit Firefox im Internetz surfen kann. Vielleicht springt sogar eine Tasse Kaffee dabei raus! 

Beispiel 4 – Linux-Systemberater:
Am Anfang der Ausbildung guckte man auf den Plan und fand 2 Wochen “CSB Software”. Skeptisch wie wir so waren, mutmaßten wir, daß das also das Verdienstmodell eines “Linux-Systemberaters” werden soll: Klinkenputzen und ein CRM verticken… Na ja, abwarten. Als es dann soweit war, bekamen wir eine Windoof-Software, die es ansonsten noch für IBMs AS/400-Nachfolger i5/OS gibt,  vorgesetzt. Hm – das macht Sinn; und da kommt mir gleich noch eine Idee: Häkeln und Stepptanz wären doch mindestens ebenso wichtig für einen Linux-Systemberater…  

Eierlegende Wollmilchsau – oder was? Warum wird einem in einer Linux-Weiterbildung nicht das vermittelt, was man eigentlich erwartet – nämlich HAUPTSÄCHLICH Linux? Klar – Grundlagen. Der Rest sind Selbststudium und erworbene Praxis durch Anwendung. Man bekommt niemals und nirgends allumfängliches Wissen ins Hirn implantiert. Warum wird dann aber sogar noch an den Grundlagen gespart? Was ist mit Servern? LDAP? NIS? SAMBA hatten wir einen halben Tag lang… Warum nicht LPIC-2?

Fazit: Der, der sich ausgedacht hat, die Weiterbildung zum LSB am ITC in dieser Form anzubieten, hat keinen Schimmer davon, was einen in Firmennetzwerken erwartet.

Beispiel 4 – Linux-Systemberater:
Als man der Meinung war, uns genug mit CSB-Sytem geärgert zu haben, steckte man uns für 3 Wochen ins Projektmanagement. Hört hört! Allerdings durften wir dort lediglich verfolgen, wie sich 2 Mann über die Erweiterung des webbasierten SugarCRM die Köpfe zerbrachen. Wow! Für die Programmierung einer auf die Anfoderungen des Colleges zugeschnittenen Software war ja kein Geld da. Da aber jeder Fachbereich Sonderwünsche hatte, glich die Erweiterung einer schier endlosen Odyssee. Und danach wollte man uns prompt noch den ersten Teil (1/4) des CCNA absolvieren lassen, weil kein Englisch-Lehrer da war… ?!?!?!?!? Daher drückten wir dann als Klasse durch, daß wir lieber Linux wiederholen…  Wie ein Lasten- oder Pflichtenheft auszusehen hat, zeigte man uns allerdings nicht. Es gibt wohl keine entsprechenden Beispiele. 

Fazit: Siehe Fazit von Beispiel 3. Da hilft das bißchen CCNA-Gedöns auch nichts, wenn ich nicht weiß, wie ich ein Active Directory eines MS Server 2008 R2 unter Linux umsetze – und vor allem ADMINISTRIERE. Und der Rest – CSB, Englisch, Projektmanagement – war nicht mehr als reine Beschäftigungstherapie!

Beispiel 5 – Qualified PHP Web Programmer:
Der in die Schlagzeilen geratene Betreiber diverser Internetportale, der mit “U” anfängt und wie “Kanister” aufhört, wünschte neben der ZEND-PHP- auch eine ZEND-FRAMEWORK-Zertifizierung. Diese Kombination hatten zu der Zeit in Deutschland 38 Personen !!!  Im  ITC hieß es auf Nachfrage, wir bekämen einen Top-Dozenten dafür – wir waren nämlich schon im Vorfeld ein wenig skeptisch, als wir ZEND-FRAMEWORK als künftigen Ausbildungsinhalt identifizierten. Der Leipziger Arbeitgeber, der in Stralsund eine Zweigstelle aufgemacht hat und dafür PHP-Entwickler suchte, sicherte im Ausbildungsvertrag Betreuung zu. Dieses “Weiterbildungsmodul” (mit laufendem Einstieg *lol*) wurde dann später in Projektphase umbenannt. Selbststudium! Betreuung: NULL !!! 

Dazu muß man aber wissen, daß das ZEND-FRAMEWORK wohl die schlechteste aller Dokumentationen hat, kaum Bücher für aktuelle Versionen existieren und Rückwärtskompatibilität kaum gegeben ist. Wir selbst mußten uns um geeignete Materialien kümmern; wenn wir Glück hatten, kamen wir während des Unterrichts sogar ins Internet. Die Projektaufgabe: Ein Shop-Portal mit Daten aus  3 anderen Portalen…

Die Vorgänge in der Aufgabenstellung waren unlogisch und nicht nachvollziehbar, verschiedene Designs wurden auf Screenshots durcheinandergewürfelt, daß man kaum wußte, wo man war. Das vorgestellte Datenbankmodell war hochgradig schwachsinnig, fehlerhaft und vollkommen nutzlos, da es ungeeignet war, Bestellvorgänge dauerhaft abzubilden, wenn sich z.B. Preise oder Steuersätze ändern. Sowieso wirkte die ganze Aufgabe so, als wenn jede Seite der Aufgabenstellung einen anderen Autor gehabt hätte. Kurz und gut – 1 DIN-A4-Seite mit Fragen gab es. Wir mußten 2 Wochen warten, bis jemand von “U…ister” kam, um sie zu beantworten. Allerdings sah der gute Mann, den die Firma geschickt hat, die Aufgabe an dem Tag zum ersten Mal und konnte NICHTS beantworten. Seine Aussage: “Macht, wie Ihr wollt.”

Obwohl wir daraufhin mehrfach beim IT College intervenierten, bekamen wir KEINEN Dozenten – weil es niemanden am College gab, der davon – also vom ZF – Ahnung gehabt hätte. Auch den ARGEn war es mehr oder minder egal, daß wir VIEREINHALB MONATE alleine in einem Raum saßen und uns mit einem Projekt befaßten, für daß es 5 Mio Deutungen und keine vernünftige Lösung gab. Selbst die, die das Projekt ignorierten und stur für die Prüfung lernten, wurden enttäuscht: Im Introtext der ZF-Prüfung zum ZCE stand, daß Version 1.5 geprüft werden würde. Wir hatten uns natürlich mit 1.11 befaßt. Dementsprechend fiel das Ergebnis aus: Glatte 90% Durchfallquote! (Der eine von zehn, der es geschafft hat, sagte selbst, er hätte lediglich Glück gehabt und nur richtig geraten!)

Die 60.000,- Euro Fördermittel für die 4,5 Monate haben sich doch echt gelohnt – zumindest für das ITC als “Vermieter” des Raums. Ein Dozent mußte ja nicht bezahlt werden – man mußte nur die Beherbergung von 10 Typen, die sich den Hintern plattsitzen und Fenster zählen, bewerkstelligen bzw. gewährleisten. Hätte man als Schüler das Projekt zu Hause umgesetzt, hätte z.B. ich jeden Tag 2 h Autofahrt gespart, die ich fürs Lernen hätte nutzen können. Zu Hause hätte ich sogar denselben Dozenten gehabt: Mr. Nobody! 

Apropos 1 von 10: Die Einstellungsquote bei “Un..ster” war mit 3/10 übrigens ähnlich. Interessanterweise wurde denjenigen der Vorzug gegeben, die schon jahrelange OOP-Erfahrung hatten – egal, wie der Bearbeitungsstand der Projektarbeit war.  Außerdem gab man sich ob der Kritik des Ablaufs verwirrt: Wenn wir mit den Antworten des Abgesandten nicht zufrieden waren - warum haben wir dann nicht jemand anderen zur Beantwortung unserer Fragen angefordert? Anmerkung: Wissen die dort, was sie tun? Oder spielen wir Kindergarten?

Es ist eher so: Arroganz, Ignoranz und Desinteresse. Und wenn zufällig ein paar Rosinen anfallen, werden die eben rausgepickt! Die Menschen sind vollkommen egal! Das Verhalten, daß die Mitarbeiter von “Uni…ter” an den Tag legten, war höchst menschenverachtend, weil man Träume und Hoffnungen arbeitsloser, aber dennoch hochmotivierter Menschen einfach so mit Füßen getreten hat. Man hat sie schlichtweg “verarscht”.

Ich hoffe nur, daß keine ARGE mehr einen Bildungsgutschein für eine Weiterbildung  erteilt, wenn deren Ziel ist, einen Job bei “Unis…er” anzutreten. Wer Fördermittel derart mißbraucht bzw. verschwendet, sollte auch nicht mehr in den Genuß einer Förderung kommen. Wenn die Typen selbst in die Weiterbildung ihrer Angestellten investieren müßten, wäre die Qualität wohl besser und man würde sich derartiges nicht mehr erlauben. Eigentlich hätte dieser miese Verein die Insolvenz verdient – nicht das ITC.

Das IT College war in diesem Fall zwar auch nicht unschuldig – allerdings war es nur “Ausführungsgehilfe”. Die vertraglich vereinbarte Betreuung durch “Unist…r” gab es einfach nicht – das zeigt, wie viel Interesse man an uns hatte. Trotzdem sollte man vielleicht am IT College auch mal das Hirnschmalz benutzen und nur solche Leute Verträge mit Firmen wir “Uniste…”  (oder lieber nicht *lol*) machen lassen, die auch Ahnung von der Materie haben. Laufender Einstieg bei einer modularen Weiterbildung, ohne Vorkenntnisse, ohne Dozenten, ohne Lehrbücher, ohne alles – und dann ZCE ZF? Was kommt als nächstes? Doktortitel in 3 Tagen Abendkurs am ITC? Wer denkt sich solchen MÜLL aus?

Dementsprechend sauer war wohl auch der neue Geschäftsführer, Herr Wambach, als er vom Verlauf dieser Sch(m)erz-Maßnahme erfuhr. Zumindest verkündet das der college-interne Buschfunk. Wambach übernahm die Geschäfte erst ein paar Tage vor Ablauf der Weiterbildung.

Fazit: Es ist kein Wunder, daß man als ITC-Schüler von Mitarbeitern und Absolventen des BFW Stralsund belächelt wird. Die MCSA/MCSE/MCITP aus der dortigen Kaderschmiede können auch das, was man von MCSA/MCSE/MCITP erwartet.

Ich will das ITC ja auch gar nicht schlechtmachen. Ein schöner Komplex, viele nette, sympathische Leute. Zwischen 2007 und 2012 war ich durchaus gern da und hatte dort eine schöne Zeit. Ich bin auch ganz weit davon entfernt, dort irgendwem gegenüber bockig zu sein. Und zur WE-Zertifizierung, LPIC-1, OCP und ZCE hat es ja trotz aller kleinen und größeren Ärgernisse gereicht (ich merkte ja, wo es Mankos gab; konnte entsprechend selbst was für meine Weiterbildung tun).

ABER:  Wenn man, um dem Dozenten keins auszuwischen, auf den wöchentlichen Bewertungszetteln alles mit “ok” o.ä. bewertet, obwohl es Unstimmigkeiten gibt, bekommt man hinterher zu hören, man hätte ja das Kommunikations-Instrument nicht genutzt… Schildert man im Textfeld Probleme oder Bedenken, tut sich nichts. Oder beim ZF: Schreibt man bei der Bewertung der Dozenten-Kompetenzen ein Fragezeichen, einen Vermerk “Welcher Dozent?” oder “In Ermangelung eines Dozenten nicht möglich” rauf, passiert auch nichts. Geht man zur Klassensprecherrunde und spricht an, daß man nicht weiterkommt, weil Lehrmaterial oder/und ein Dozent fehlen, passiert ebenfalls nichts. Und geht man irgendwann nicht mal mehr zur Klassensprecherrunde und wirft die Bewertungszettel in den Papierkorb, liegen am nächsten Freitag neue Zettel auf den Tischen - als wenn nichts wäre. Die Frage “Hat Sie diese Woche weitergebracht?” auf dem Bewertungszettel klingt da schon wie ein Hohn. Die Skala reicht von 1-6 – und man möchte doch glatt 20 ankreuzen… :-(

Und das muß sich ändern. Dafür drücken wir dem ITC alle Daumen. Fehler passieren bekanntlich überall – man sollte allerdings daraus lernen.

PS: Wer damit liebäugelt, Kunde oder Geschäftspartner von Big “U” in der Leipziger Gasse der nackten Füße zu werden und u.U. demnächst etwas auf Internetseiten, die irgendwas mit deutschen Second-Level-Domains, die  ”Geld“, “Kredit“, “DSL“, “Fluege“ oder “Shopping” lauten, zu erledigen gedenkt, sollte die Bewertungen in den einschlägigen Portalen (z.B. bei WOT) vorher lesen.  Erst recht, wenn man vorhat, dort zu arbeiten oder auch nur irgendwelche Deals abzuschließen, um ab in den Urlaub zu düsen.

In dem Zusammenhang möchten wir an dieser Stelle auf ein paar interessante Vorgänge verweisen:
ComputerBild deckt Abzocke auf
ComputerBild :: Stellungnahme
Strafanzeige
Kuriose Aufschläge
Preistreiberei
Erfahrungsberichte

Ein Gedanke zu “IT College Putbus: Insolvenz!

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